„Jetzt reden Wir!“ Teil 1

In staatlichen und kirchlichen Heimen waren Kinder und Jugendliche aus armen Familien Objekte der Gewalt. Es geht um Praktiken des systematischen Quälens, Schlagens und der Erniedrigung, die in anerkannten Institutionen der Fremdunterbringung in der Zweiten Republik bis in die 1980er Jahre ausgeführt wurden.

Die Gewalt vollzog sich in den alltäglichen Abläufen, vor den Augen anderer Kinder und vieler Erzieherinnen und Erzieher, auf Auftrag und Duldung durch weltliche und geistliche Autoritäten, unter Mittäterschaft, Schweigen und Hilflosigkeit von Fürsorgerinnen, Psychiatrie und Politik, mit gesellschaftlicher Billigung und vielfach sogar Anerkennung.

Die ehemaligen Heimkinder waren einer dreifachen Traumatisierung ausgesetzt: zunächst durch eine massive Vernachlässigung oder Trennung von ihren Bezugspersonen, dann durch ihre Einweisung auf einen Pflegeplatz oder ins Heim und schließlich durch das Ausbleiben ausreichender Hilfe und Anerkennung des erfahrenen Leides nach dem Heimaufenthalt.

So hinderten Gefühle von Schuld und Scham sowie der Wunsch nach Verdrängen und Vergessen jahrzehntelang am Sprechen.

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