Beiträge von Hummel

    Anfrage für Projekt zur Bundesanstalt in Wiener Neudorf

    Sehr geehrte Damen und Herren!


    Mein Name ist Flavia Guerrini, ich bin Erziehungswissenschaftlerin an der Universität Innsbruck und melde mich mit einer Bitte bei Ihnen:


    Seit letztem Jahr arbeite ich an einem Forschungsprojekt zur Geschichte der Jugendfürsorge in Österreich mit einem Fokus auf Mädchen und junge Frauen (mein Habilitationsprojekt). Im Zentrum steht die frühere Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Wiener Neudorf (1951-1974), zu der es bislang noch keine Forschungen gibt. Ich bin derzeit auf der Suche nach Zeitzeuginnen, d.h. Frauen, die in ihrer Jugend in der Bundesanstalt für Erziehungsbedürftige in Wiener Neudorf untergebracht waren und bereit wären, mir in einem biographischen Interview ihre Erinnerungen mit mir zu teilen. Mich interessiert, welche Erfahrungen die Mädchen und jungen Frauen im Rahmen ihrer Unterbringung machten und wie sie den Einfluss des Aufenthalts in Wiener Neudorf auf ihr weiteres Leben einschätzen?


    Die geplanten (biographischen) Interviews sollen einen Rahmen bieten, in dem die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von ihren Erfahrungen erzählen und ihre Sicht der Dinge zum Ausdruck bringen können. Für die Teilnahme am Interview ist eine kleine Aufwandsentschädigung vorgesehen.


    Ich bin sehr froh um jeden Hinweis und um Hilfe bei der Kontaktaufnahme mit Zeitzeuginnen. Ich habe Aufruf und Projektbeschreibung in einer pdf-Datei im Anhang mitgeschickt. Wäre es möglich, meinen Aufruf im Forum bzw. in der Facebookgruppe zu teilen oder an Zeitzeuginnen weiterzuleiten?


    Selbstverständlich sind mir der Datenschutz und die Wahrung der Persönlichkeitsrechte in meiner Forschungstätigkeit sehr wichtig. D.h. die Daten werden gesichert verwahrt und in Veröffentlichungen werden Pseudonyme verwendet sowie Konstellationen vermieden, die eine Wiedererkennbarkeit der Person ermöglichen.


    Wenn es Nachfragen gibt, bin ich gerne bereit näher Auskunft zu geben.


    Herzlichen Dank und freundliche Grüße, Flavia Guerrini


    PS. Von 17.7. - 8.8.2021 bin ich nur eingeschränkt erreichbar – es kann dann sein, dass ich ein wenig länger für eine Antwort benötige.

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    Flavia Guerrini

    13. Juli 2021





    Servus Maria,

    du warst in der Gruppe 3, bei den Kleinen.

    Vera Popp war das nicht das arme Mädchen, welches immer am Boden hockte und mit dem Kopf wippte?

    Kann mich noch an Eva Spatzek, Vera Popp, Maria Taborsky, Danny, Melli, Gruppe 3

    Susanne Witz aus der Gruppe 6

    Hast du noch Kinderfotos das man dich eventuell erkennen könnte?

    Liebe Grüße


    Gespräche über Abwicklung laufen


    Im Pavillon 15 des Psychiatrischen Krankenhauses am Steinhof wurden viele Jahrzehnte lang Kinder und Jugendliche seelisch und körperlich gequält.

    Die Lebensbedingungen waren bis in die 1980er-Jahre weit entfernt von menschenwürdigen Standards: rundum verschlossene Gitterbetten, Ruhigstellung mit Medikamenten, abgesperrte Wasserhähne, sodass die Kinder Wasser nur aus den Toiletten trinken konnten.

    Länder sowie Heimträger haben sich entschlossen, an Betroffene Entschädigungen auszuzahlen und die Kosten für eine Psychotherapie zu übernehmen. Auch die Gemeinde Wien, zuständig für den Pavillon 15, schuf ein solches Entschädigungsprojekt.

    Der Haken: Die Betroffenen hatten nur wenige Jahre Zeit, sich zu melden und die Entschädigung zu beantragen. Im August 2018 war diese Möglichkeit vorbei. „Zu früh, denn man erreicht die früheren Insassinnen nicht über die Medien, viele wussten nicht, dass sie eine Entschädigung bekommen können“, kritisierte Volksanwalt Bernhard Achitz. Andere sind traumatisiert und brauchen länger Zeit, bis sie in der Lage sind, die Entschädigung zu beantragen............................................................





    https://volksanwaltschaft.gv.at/heimopferrente

    Zitat

    Volksanwaltschaft forderte Klarstellung - Bundesministerium für Justiz reagierte umgehend

    Die Volksanwaltschaft sieht sich immer wieder mit Beschwerden von Erwachsenenvertretenen konfrontiert, denen eine Heimopferrente zugesprochen wurde, diese aber entgegen der gesetzlichen Bestimmungen zu deren Einkünften gerechnet wurde. In diesen konkreten Fällen wurde den Betroffenen die Rente oftmals nicht zur freien Verfügung gestellt.

    In einem Schreiben forderte die Volksanwaltschaft das Bundesministerium für Justiz auf, den Umgang mit der Heimopferrente von Erwachsenenvertretenen klarzustellen. Das BMJ kam dem Ansuchen der Volksanwaltschaft umgehend nach und hielt fest: „Die Rentenleistung gilt nicht als Einkommen im Sinne der Sozialversicherungs- und Sozialentschädigungsgesetze sowie der sonstigen bundesgesetzlichen Regelungen und ist unpfändbar.“

    „Ich freue mich, dass das Justizministerium so rasch reagiert hat, und wir diese Klarstellung im Sinne der Betroffenen erwirken konnten. Es hat wieder einmal gezeigt, wie wichtig die Arbeit der Volksanwaltschaft ist, um Bürgerinnen und Bürgern zu ihrem Recht zu verhelfen“, so Volksanwalt Amon.

    Servus Christian,

    ja ich hab mich erkundigt. Es stimmt!

    Sollte dir die Erzdiözese auch nur die geringste Entschädigung geben, so bist du berechtigt die HOG einzureichen.

    In deinem Fall, würde ich aber dann bei der VA wieder einreichen und auf die Zahlung mit dem Datum der Ersteinreichung bestehen.


    PS: Ich halte dir die Daumen und lass mich wissen wie es ausgeht. Du hast ja jetzt auch meine private Nummer.

    LG.

    Eigentlich ist es egal wem die Schule gehört, hier geht es um was anderes um die Heimopferrente zu bekommen. Nämlich, um die Zuweisung.

    Am besten du rufst mich an. Siehe >>>HIER<<< bin heute bis 19h erreichbar

    Julius Tandler

    Zu bekommen beim MORAWA - Verlag>>>HIER <<<


    Zwischen Humanismus und Eugenik
    vonSchwarz, Peter

    BuchGebunden319 Seiten
    Deutsch

    Edition Steinbauererschienen am16.05.2017
    Der Arzt und Universitätsprofessor für Anatomie Julius Tandler (1869-1936) war Mitbegründer des Weltrufs der Wiener medizinischen Schule. Ebenso gilt er als legendärer Wohlfahrts- und Gesundheitsstadtrat des "Roten Wien" der Zwischenkriegszeit. Mit seinem Namen untrennbar verbunden ist die Schaffung eines modernen und humanen Wohlfahrtsstaats. Seit den 1990er Jahren werden Tandlers Äußerungen zu Bevölkerungspolitik, Eugenik und der Vernichtung "lebensunwerten Lebens" von wissenschaftlicher Seite zunehmend beanstandet und diskutiert. In dieser Studie werden sämtliche in Zusammenhang mit Bevölkerungspolitik, Menschenökonomie, Eugenik, Rassenhygiene und "Euthanasie" stehende, hinsichtlich ihrer Humanität problematische Aussagen Tandlers kritisch untersucht.

    Das Buch zeichnet ein differenziertes Bild der Gesamtpersönlichkeit Tandlers und hält die schwierige Balance zwischen notwendiger Kritik und der Anerkennung der historischen Verdienste dieses wichtigen Wiener Kommunalpolitikers.

    Dokumentenarchiv des österreichischen Wiederstandes - Link >>>HIER<<<


    Die Studie beinhaltet — unter Berücksichtigung der politisch-gesellschaftlichen Nachkriegsentwicklung Österreichs — die Re-konstruktion und Analyse der Rolle des Bunds sozialdemokratischer AkademikerInnen, Intellektueller und KünstlerInnen (BSA) bei der gesellschaftlichen Reintegration ehemaliger Nationalsozialisten. Sie wurde am 14. Jänner 2005 in einer Pressekonferenz vom Präsidenten des BSA und SPÖ-Abgeordneten Caspar Einem gemeinsam mit den Autoren Wolfgang Neugebauer und Peter Schwarz präsentiert. DÖW-Mitarbeiter Peter Schwarz beschreibt im Folgenden anhand von Fallbeispielen Motive und Mechanismen des NS-Integrationsprozesses durch — nicht nur — den BSA.

    Wolfgang Neugebauer, ehemaliger langjähriger wissenschaftlicher Leiter des DÖW, geht anschließend auf die grundlegenden Voraussetzungen der Arbeiten ein




    Das Buch:Der Wille zum aufrechten Gang

    Published on May 10, 2010

    ZWISCHEN VORSORGE UND KONTROLLE

    In der Kinderübernahmestelle in der Lustkandlgasse wurden von 1925 bis 1934 etwa 63.000 Kinder und Jugendliche betreut

    Die Sozialpolitik des Roten Wien war fortschrittlich. Aber auch von Kosten-Nutzen-Gedanken geprägt.

    Die Sozialpolitik des Roten Wien in der Zeit von 1919 bis 1933 war fortschrittlich wissenschaftlich. Aber auch von einem starren Kosten-Nutzen-Gedanken geprägt.

    SOZIALES. Wer Kindern Paläste baut, reißt Kerkermauern nieder.

    Noch heute steht diese Aussage von Julius Tandler auf einer Gedenktafel in ehemaligen gleichnamigen Kinderheim der Stadt Wien in der Lustkandlgasse am Alsergrund.

    Eröffnet wurde es 1925 – damals noch als sogenannte Kinderübernahmestelle. Verwahrloste Säuglinge, Kinder von dem Alkoholismus verfallenen Eltern, Jugendliche, die Gewalt ausgesetzt waren – deren Betreuung in städtischen Einrichtungen wurde von dort aus gelenkt. Die Kinderübernahmestelle war ein Pfeiler des Sozialfürsorgesystems der Stadt Wien, dessen zentrale Figur der damalige Stadtrat für Wohlfahrts- und Gesundheitswesen war: Julius Tandler (siehe Porträt rechts).

    Unter der Ägide des Sozialdemokraten wurde ein umfassendes Netz aus sozialen Fürsorgestellen über Wien gespannt: Kindergärten wurden gebaut, Jugendämter installiert, Ehe und Berufsberatung eingeführt, Heilanstalten für Tuberkulosekranke errichtet. In den Schulen wurde der Schulsport propagiert und die Schulzahnkliniken eingeführt. Der Schwerpunkt lag auf der Fürsorge für Kinder und Jugendliche. Älteren oder Behinderten standen Angebote in eingeschränktem Umfang zur Verfügung. „Tandler schaffte den radikalen Schritt von der Wohltätigkeit Privater (Stichwort Almosen) hin zu einer öffentlichen Fürsorge“, erklärt der Historiker Peter Schwarz von der Universität Wien.

    Entstanden ist dieses geschlossene Fürsorgesystem aus der Not des Krieges heraus – viele Menschen waren krank, litten an Mangelerscheinungen und psychischen Problemen. Ausgangspunkt war die Hygiene-Bewegung Ende des 19. Jahrhunderts (unter „Hygiene“würde man heute Öffentliche Gesundheit verstehen), die die Bedeutung von Lebensstil und Lebensumständen für die Gesundheit propagierte. Das sollte die Gesunderhaltung populär machen – durch gesunde Ernährung, Pflege, körperliche Aktivität. Erklärtes Ziel: Der „neue Mensch“. „Die Verbesserung des Stadtraumes sollte zur Verbesserung der in der Stadt lebenden Menschen führen“, erklärt Birgit Nemec, Historikern und Kulturwissenschafterin der Universität Heidelberg.

    KOSTEN-NUTZEN. Viele praktische Ansätze basierten auf biowissenschaftlichen Überlegungen. „Sowie auf einer einfachen Kosten-Nutzen Rechnung“, sagt Nemec. Gesunde

    Kinder werden zu gesunden Menschen und zeugen gesunde Kinder. Auch das Ziel der Eheberatung im Roten Wien der Zwischenkriegszeit war nicht, Tipps für ein friktionsfreies Eheleben zu geben, sondern etwa zu verhindern, dass Tuberkulosekranke heiraten und Kinder bekommen–kranke Kinder. „Das wurde als gesundheitliche Vorsorge verstanden“, sagt die Historikerin. Die Grenze zwischen Aufklärung und Kontrolle verlief fließend. „Tandler appellierte an die Verantwortung des einzelnen“, ergänzt Peter Schwarz.

    EUGENIK. Tandler war Anhänger der Eugenik (Lehre von der Erbgesundheit). Der Sozialdemokrat unterschied zwischen Leben, das es zu fördern galt und „unwertem Leben“. „Auch er dachte über Zwangsmaßnahmen wie die Sterilisation nach“, erklärt Nemec. Aber Tandler erkannte das Recht auf Leben und die persönliche Freiheit zugleich als wichtiger an, als „lebenswertes Leben“zu erhalten, in dem man „unwertes Leben“zerstörte. Eine Ambivalenz wie jene bei Tandlers Zugang zu diesem Thema zeige sich auch und vor allem bei der Gesundheitsvorsorge des Roten Wien: Sie habe sich stets zwischen Prävention und Kontrolle bewegt.